Die Kapitel meines Herzens von Catherine Lowell

August 16, 2017






(Original: "The Madwoman Upstairs"/ 2016) Atlantik Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Gaby Wurster, 352 Seiten, Broschur★★  4 Sterne
"Von klein auf wächst Sam mit Büchern auf: Wann immer sie in der Bibliothek ihres Vaters ein Buch findet, in dem sein Lesezeichen liegt, weiß sie, dass er es für sie versteckt hat. Zu Weihnachten schenkt er ihr eine Schnitzeljagd mit Zitaten aus der Weltliteratur. Sams Vater ist nicht nur Bestseller- Autor, sondern auch ein direkter Nachfahre der Brontë-Familie. Als er stirbt, ist Sam die letzte lebende Verwandte der Schriftsteller-Dynastie. Alles, was ihr Vater ihr hinterlassen zu haben scheint, ist ein abgegriffenes rotes Lesezeichen. Oder ist es ein Hinweis auf ein geheimes Erbe? Die Öffentlichkeit hat ihren Vater schon lange im Verdacht, wertvolle Gemälde, Briefe und Romanentwürfe der berühmten Schwestern zu verstecken. Antworten hofft Sam am Old College in Oxford zu finden. Dort hat Sam zwar nur Augen für Bücher, ihr Professor und ein attraktiver Mathe-Student lenken sie jedoch mehr ab, als sie es sich eingestehen möchte. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Doch nicht ich hatte Eindruck bei der Professorin hinterlassen. Während ich in meinen Turnschuhen den gewienerten Korridor hinunterging, zog ich wieder einmal den Hut vor meinen drei verstorbenen Vorfahrinnen. Selbst aus dem Grab übten sie noch eine Macht aus, die mir selbst versagt blieb.." S. 11.

Auf den ersten Blick scheint das Buch, ausgehend vom Titel "Die Kapitel meines Herzens", ein normaler Liebesroman zu sein. Achtet man aber auf den Originaltitel "The Madwoman Upstairs" könnte man dadurch vielleicht anderer Meinung sein. Denn dieser Titel stellt sofort eine Verbindung zu dem Klassiker "Jane Eyre" her und stößt den Leser sofort in die Richtung, dass die Brontë Geschwister vielleicht eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielen könnten und es sich nicht nur um das allseits bekannte Wechselspiel zwischen zwei, sich verliebender, Protagonisten handelt.
Daher muss ich auch ehrlich sagen, dass ich von dem Roman positiv überrascht wurde. Natürlich hat mich die Thematik sofort angesprochen. Ein geheimer Brontë-Schatz, den es zu finden gilt? Eine Schnitzeljagd, die den Leser eventuell in die Kreise gewisser Schriftstellergeheimnisse hineinzieht? Hat sich für mich durchaus vielversprechend angehört. Ist man als Leser also daran interessiert, vieles über die biographischen Aspekte der Brontë Familie zu erfahren, wird man mit dieser Geschichte durchaus viel Vergnügen haben. 
Dadurch, dass sich die Protagonistin an der Universität befindet und gleichzeitig auch passenderweise Literaturwissenschaften studiert, fallen sehr viele Thesen oder Überlegungen, die einen dazu anregen, sich ein wenig in die scheinbaren Abgründe von Charlotte, Anne und Emily hineinzusteigern. Es wird darauf Bezug genommen, in wie weit die Romane der Geschwister der Realität entsprachen oder welche Interpretationsansätze von Belang sind. Und natürlich die Frage, ob der Autor mit seinem Text in Verbindung gebracht werden sollte oder ob die Romane als selbstständiges Textzeugnis zu bewerten sind. Überraschend häufig geriet die Handlung dabei manchmal in den Hintergrund, sodass wirklich viel Raum für intertextuelle Bezüge bereitstand. Das gefiel mir persönlich daher so gut, weil der Roman dadurch an "Tiefe" gewonnen hat und sich eben von dieser schlichten Liebesromanstruktur abgegrenzt hat. Das Erzählte wirkt zwar grundsätzlich locker und leicht, verbirgt dahinter aber eine gute Portion Geheimnisvolles und Ernstes.
Grundsätzlich kann man sich ziemlich schnell auf die Protagonistin einlassen. Man findet sie sympathisch, möchte mit ihr auf Spurensuche gehen und auch tatsächlich gerne Zeit mit ihr verbringen. Die Elemente, wie der abgeschiedene Turm, in welchem Samantha an der Universität wohnt und die oft erwähnten, scheinbar wichtigen Gegenstände schüren zudem das Gefühl, dass man sich in der Welt der berühmten Schriftstellerinnen befindet und sie die "Fäden ziehen". Dennoch greift der Roman auch gekonnt, ohne zu bestimmend zu sein, kritische Sichtweisen auf, welche die Brontë- Schwestern in einem anderen Licht zeigen.

"Leidenschaft. Da war es, das Wort, das ich am wenigsten leiden konnte. Der trügerische, ja bedeutungslose Begriff, den Leute benutzen, wenn sie glauben wollen, dass sie menschlicher seien als andere.“  S.21

Abgesehen von den vielen biographischen Bezügen, Lebensläufen und vermeintlichen Erbstücken der drei berühmten Schriftstellerinnen, bemüht sich der Roman noch eine andere Ebene aufzugreifen, nämlich die, welche sich rund um die Protagonistin und ihr eigenes Leben entfaltet. Samanthas Erfahrungen haben viel mit der Selbstfindung zu tun, sie stützen sich auf die Gefühle, die sich ergeben, wenn man einen Menschen verloren hat, der einem alles bedeutet hat und den man nicht gehen lassen möchte. So wächst auch die Protagonistin selbst an den vielen Dingen, die sie herausfindet oder herauszufinden versucht. 
Gleichzeitig dominiert natürlich auch eine Liebesbeziehung den Roman, welche aber glücklicherweise keineswegs zu aufdringlich, zu kitschig oder zu dramatisch aufgezogen wurde. Für meine Verhältnisse hielt sich dies wunderbar im Rahmen des Möglichen, um die Geschichte nicht unglaubwürdig zu gestalten oder die Geschichte dadurch platt wirken zu lassen. Das lag für mich auch größtenteils daran, dass die Wortwahl (auch hier wieder in Betrachtung der Übersetzung) wirklich gelungen und darauf ausgelegt war, nicht die schon gängigen und abgedroschenen Formulierungen zu verwenden, die sich in beinahe jedem Liebesroman entdecken lassen. Sicherlich ist der Aspekt der Liebesbeziehung also eher ein gelungener Handlungsstrang, den weibliche Leserinnen mögen werden, aber darüber hinaus bietet das Buch eine wunderbare Umsetzung des Prozesses des Erwachsenwerdens, ebenso wie die Frage nach dem, was einem persönlich am Ende wirklich als "Reichtum" und wertvolles Erbe erscheint.

"Mein Vater sagte immer, alle Romanhelden seien Versionen ihres Autors, auch wenn das hieße, dass der Autor eine Seite an sich akzeptieren musste, die er gar nicht gekannt hatte. Es erforderte einfach Mut." S.62

Gelungener Roman, der einerseits Leichtigkeit, aber auch Tiefe ausstrahlt. Durch gewisse Handlungsstränge bricht die recht melancholische und nachdenkliche Stimmung auf und wird durch humorvolle Passagen und Dialoge ergänzt. Das Hauptmerkmal liegt unter anderem auf der Darstellung und Interpretation der Brontë- Familie und deren vermeintlichen Geheimnissen, wie auch ihrem Erbe, aber auch auf der Entwicklung der Protagonistin und ihrer Verarbeitung der Vergangenheit.
Der Roman ist eindeutig für Zwischendurch geeignet, hinterlässt aber ein wirklich wohliges, wie auch ergreifendes Gefühl. So habe ich mich persönlich wirklich wunderbar unterhalten gefühlt.


Vielen Dank an den Atlantik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!



The Folio Society

August 10, 2017










Meine erste "Begegnung" mit den Büchern der Folio Society liegt schon einige Zeit zurück. Eher durch Zufall bin ich auf die Büchergilde gestoßen, die ja bekannt dafür ist, dass man sich als Mitglied an ganz eigenen Gestaltungen beliebter Klassiker erfreuen kann. Als ich mich durch das Sortiment gestöbert habe, fielen mir plötzlich englische Ausgaben auf, die einfach allein durch ihre Aufmachung herausgestochen sind.
Natürlich kam bei mir sofort die Frage auf, ob diese Bücher tatsächlich nur zur Büchergilde gehören oder eventuell einfach nur zusätzlich dort angeboten und verkauft werden. Als Studentin hätte sich die Mitgliedschaft eher weniger rentiert, daher war meine Überraschung und Freude umso größer, als ich feststellte, dass die Bücher eigentlich aus dem englischen Verlagshaus stammen, welcher sich, ihr ahnt es schon, "The Folio Society" nennt.

Gefühlte Jahre habe ich damit verbracht mir die schönen Ausgaben einfach nur anzusehen und davon zu träumen, irgendwann einmal ebenfalls Besitzerin einiger Stücke zu sein. Denn obwohl es die Bücher über die offizielle Seite "Folio Society" gibt, sind die Versandkosten meist etwas hoch. Also habe ich zunächst abgewartet. Wie es der Zufall wollte, machten sich meine Schwester und mein Schwager letztens sogar auf eine Reise nach England. Sofort kamen mir die Bücher in den Sinn und ich setzte ein Buch auf meinen Wunschzettel. Doch leider hat sich der Verlag genau zu der Zeit dazu entschlossen, den offiziellen Shop in London zu schließen und die Bücher nur noch über den Onlinehandel zu vertreiben.
Es nützte alles nichts. Das Internet musste also zum Freund und Helfer werden. Da mein Schwager den Büchern ebenfalls verfallen war, nachdem ich davon geschwärmt habe, hat meine Schwester nicht lange gezögert und einen Account erstellt, den wir alle nutzen konnten. 
Und was soll ich sagen, kurze Zeit darauf konnte ich nicht mehr wiederstehen, als der Verlag mit einem 50% Sale warb, inklusive einem Free Mystery Book bei jeder Bestellung. Mein erster Gedanke: "Das muss Schicksal sein". Natürlich. Also landeten letztlich drei Bücher in meinen Einkaufswagen: "The Princess and the Goblin", "A Traveller in Time" und das "Mystery Book", welches sich im Nachhinein als "Barchester Towers" von Anthony Trollope herausgestellt hat. "Cider with Rosie" gab es bei einer anderen Bestellung ebenfalls gratis dazu. 

Nun, der Versand kostet pro Buch noch einmal 10 Pfund, ab zwei Büchern sogar 15 Pfund und dauert dann bis zu 28 Tage, plus den Sonntagen natürlich und der Zeitspanne, wann das Paket versendet wird (Expresslieferungen dauern nur 2-5 Tage, kosten aber noch einmal 10 Pfund Aufpreis). Ist man aber ein wenig geduldig und wartet auf die besagten "Sales", dann kann es sich wirklich durchaus lohnen, auch mit Versandkosten und der Wartezeit.

Aber was genau ist das besondere an diesen Büchern, fragt man sich jetzt vielleicht?
Nun ja die Optik spielt da sicherlich eine entscheidende Rolle. Für Leser, die gerne auf Englisch lesen und auf der Suche nach schönen Prachtausgaben sind, die werden hier sicherlich fündig. "The Folio Society" bietet zudem nicht nur die kleinen Klassiker an, sondern auch richtige Wälzer, die zwar etwas kostspieliger sind, die man aber wirklich wunderbar als Geschenk in Betracht ziehen kann.
Zudem sind alle Bücher wirklich hochwertig aufgemacht. Alle Ausgaben (abgesehen von den kleineren und günstigeren "Collectibles") kommen in einem schönen Schuber daher und sind meist mit etwa sechs Illustrationen versehen. Das Papier ist ebenfalls sehr robust und macht einfach einen sehr schönen und ordentlichen Eindruck. 
Es ist wirklich für jeden etwas dabei, da die Auswahl der Bücher wirklich beinahe unbegrenzt scheint. Zudem ist der Verlag ständig dabei neue Ausgaben zu veröffentlichen, die für die Leser hinsichtlich der Aktualität interessant sind. Neu entdeckt habe ich zum Beispiel neulich "The Handmaid´s Tale" von Margaret Atwood, "American Gods" von Neil Gaiman oder "Rebecca" von Daphne du Maurier. Alles Bücher die jetzt viel Aufmerksamkeit bekommen und sicherlich auch in dieser Ausgabe einiges hermachen.

Nachdem ich meine ersten Bücher der Folio Society nun in Augenschein genommen habe, muss ich sagen, dass ich ihnen wirklich restlos verfallen bin. Die Sammlung wird sich mit der Zeit sicherlich weiter ausbauen.

Kennt ihr die Bücher der Folio Society? Würden sie euch interessieren? Würdet ihr euch so einen Verlag auch für deutsche Bücher wünschen?





Die Spieluhr von Ulrich Tukur

August 09, 2017





(Original: "-"/ 2013) Ullstein Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: -, 150 Seiten, gebunden (Ganzleinenband)★★(★) 3 bis 4 Sterne
"Wilhelm Uhde, der großbürgerliche Preuße, und Séraphine, eine einfache Französin, die von den Bewohnern ihres Dorfes verspottet und von den Kindern mit Dreck und Steinen beworfen wird, trennen Welten. Und doch hat das Schicksal sie zusammengeführt: den sensiblen Kunstsammler und seine tiefgläubige Putzfrau, die Bilder malt, seit ihr ein Engel des Herrn erschien. Viele Jahre und zwei Weltkriege später wird beider Leben verfilmt. Der Schauspieler, der im Film Uhde verkörpert, macht dabei eine seltsame Entdeckung, die ihn unversehens in den phantastischen Kosmos der Séraphine de Senlis katapultiert: in ein Leben hinter den Bildern und Gobelins eines vergessenen Schlosses der Picardie. Ulrich Tukur erzählt von der Macht der Malerei und der Magie der Musik. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch drei Jahrhunderte, in eine beunruhigende Welt zwischen Traum und Wirklichkeit."


MEINE MEINUNG | FAZIT

"So verbanden sich an diesem heißen Augustabend des Jahres 1912 die Lebenslinien zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und sich doch trafen in ihrer Verlorenheit und Sehnsucht nach einer schöneren Welt, die nur in der Malerei oder der Musik zu haben war." S. 15f.

"Die Spieluhr" ist wirklich sehr eigen. Obwohl anfangs natürlich eine gewisse Einleitung vorhanden ist, wie sich der Protagonist in dieser Situation wiedergefunden hat, hatte ich dennoch das Gefühl, dass ich in diese Geschichte einfach hinein katapultiert wurde. Die Ereignisse überschlagen sich geradezu, man stößt von einem Geheimnis zum nächsten und weiß nie so recht, ob man dem Strudel nun entkommt, die Wahrheit herausfindet, oder ob es ewig so weitergehen wird. 
Besonders auffällig war für mich vor allem der irgendwie immer präsente Zusammenschluss von vielen literarisch bekannten Werken oder zumindest gewisser Ähnlichkeiten dazu. Mal kam mir Jane Eyre in den Sinn, dann Das Bildnis des Dorian Gray und am Ende war es tatsächlich eine bunte Mischung als allem. Dabei geht es oder der Text möchte dies zumindest anstreben, immer etwas in die mysteriöse Richtung, die dem Leser Gänsehaut bereiten soll. Gänsehaut hatte ich zwar keine, aber die kleinen Andeutungen hinsichtlich gewisser Figuren, die etwas Schlechtes im Sinn haben oder von denen man die Absichten nicht ganz erraten kann, fungieren hier sicherlich als Leseantrieb. Natürlich möchte man als Leser unbedingt wissen, was es mit den bewegenden Gemälden und der ominösen Spieluhr auf sich hat, die sich immer weiter drehen muss.

"Er machte eine Pause, als blickte er in die Vergangenheit wie in ein fernes, blühendes Land“  S.31

Doch nicht nur der allgemeine Mix aus verschiedenen Stimmungen, wechselhaften Landschaften und Ortschaften macht das Lesen recht abwechslungsreich, sondern auch die Darstellung der Figuren und des Zusammenspiels aller. Tatsächlich ist mir bis zum Schluss einiges nicht ganz einleuchtend zum Beispiel in wieweit einige Figuren nun Einfluss aufeinander ausüben und welche Jahreszeiten miteinander verschmelzen, aber genau das macht die Geschichte am Ende irgendwie auch spannend. 
Die Novelle greift tatsächlich viele Dinge auf, die sich zwar ineinander verlieren, die aber dadurch lebendig werden. So geht es um Verknüpfungen und Verbindungen durch Raum und Zeit, die man schwer begreifen kann, die aber Einflüsse ausüben können. Es geht um Flucht, um das Entkommen und auch die Unmöglichkeit des Entkommens und das wohl am Ende recht banal wirkende Spiel mit der Frage was Wirklichkeit und was Einbildung ist. 
Was mich an der Geschichte aber abseits der Handlung ebenfalls positiv überrascht hat, war sicherlich die zarte und träumerische Sprache. Sie lädt dazu ein sich einer "Welt" zu öffnen, die man nicht so einfach erklären kann, die aber als Gefühl besteht und die man vielleicht insgeheim gerne aufrufen würde. Es ist ein spielerischer Wechsel zwischen Leichtigkeit und Bedrängnis.

"Solche magischen Türen oder Einstiegsluken gab es wohl überall, an den sonderbarsten Orten, dort, wo man sie am wenigsten vermutete." S.132

Eine kurze Erzählung, bei welcher die Spieluhr nicht der einzige Gegenstand bleibt, der von Geheimnissen umgeben ist.
Das große Ganze bleibt am Ende zwar irgendwie noch etwas verborgen, aber die Reise zu dem Punkt, an dem sich der Erzähler und Protagonist am Ende befindet ist so turbulent, manchmal verwirrend, aber eben auch interessant, dass sich das Lesen durchaus lohnt. Vorausgesetzt man mag es, wenn sich die Grenzen verschiedener Ebenen verwischen und man nicht unbedingt eine strikte und einfache Lösung des Geschehens bevorzugt.




Juli

August 06, 2017














Der Juli verlief recht turbulent, was allerdings auf die Klausurenphase in der Uni zurückzuführen ist. Dadurch hat sich die Anzahl der gelesenen Bücher auch etwas im Rahmen gehalten. Nichtsdestotrotz sind vier Lektüren beendet worden. Eine, nämlich "Boston" von Upton Sinclair, ist weiterhin auf meinem Nachttisch präsent und wird fleißig weitergelesen.

Anfang Juli hat sich zudem die Möglichkeit ergeben, die "Documenta 14" zu besuchen. Ein paar kleine Einblicke habe ich euch gerne in dem Beitrag angefügt. Grundsätzlich war meine Reaktion darauf eher durchwachsen. Die "Akropolis", welche im Innenhof aus mehreren Tausend Bücher besteht, die einmal verboten waren, ist sicherlich eines der größten Highlights. Ansonsten gab es hier und da eine kleine Kunstinstallation, die mir gut gefallen hat, vieles allerdings hat sich meinem Interesse völlig entzogen. Überrascht hat es mich nicht, denn die Kunst besitzt ein so weites Spektrum, dass nicht alles gefällt oder gefallen muss. Es ist beinahe so, wie mit den Eindrücken bei bestimmten Büchern.
Grundsätzlich war es aber auch einfach schön die "Bücher-Installation" selbst einmal gesehen zu haben, wenn sich die Gelegenheit schon geboten hat. Es ist schon erstaunlich, welche Bücher auf der verbotenen Liste standen. Klassiker wie "Lolita" scheinen da noch einigermaßen verständlich, aber dass selbst "Harry Potter" darunter zu finden war oder auch "Twilight" scheint etwas kurios, da sie auch ein recht frühes Erscheinungsdatum aufweisen und man ausblendet, dass Bücher selbst heute in anderen Ländern verboten werden.

„Vermählung“ von Curtis Sittenfeld Meine erste Lektüre im Juli hat mich recht gut unterhalten, wenn auch die Erwartungen natürlich nicht gänzlich erfüllt werden konnten. Die Neuinterpretation von "Stolz und Vorurteil" sollte man sicherlich nicht zu ernst nehmen, denn sie ist keinesfalls mit dem Original gleichzusetzen. Es driftet etwas zu sehr in die "Klatsch und Tratsch"-Spalte ab und weist natürlich einen eher moderneren Ansatz auf, da neue Erfindungen, wie das TV-Format "Der Bachelor" eine gewisse Rolle spielen. Möchte man also ein wenig abschalten, kann man gerne zu diesem Buch greifen. Man sollte aber nicht erwarten, dass man eine "neue Jane Austen" bekommt.

„Lila” von Marilynne Robinson Ein Buch, welches ganz leise daherkommt, aber eine ganz wunderbare Atmosphäre und Botschaft mit sich bringt. "Lila" ist Teil eines Romanzyklus der Autorin. In diesem Teil werden die Innenansichten, Gefühle, Ängste und Wünsche der Protagonistin selbst offenbart. Hier spielt die große Verletzlichkeit eine wichtige Rolle, genauso wie die Sehnsucht danach, endlich in einem "Zuhause" anzukommen. Ich werde mir sicherlich noch die anderen Romane dieses Zyklus besorgen.

„Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ von Mark Z. Danielewski Etwas "verrückter" kommt dieses Buch daher. "Roman" steht zwar auf dem Cover drauf, aber als Leser weiß man am Ende gar nicht so genau, welchem Genre diese Geschichte angehört. Die Darstellung des Textes ist sehr experimentell und auch der Inhalt lässt einige Fragen offen. Dennoch konnte mich das Buch wunderbar zum Denken anregen und hat mich einfach "gepackt", weil es nicht langweilig war.

„Val di Non” von Oswald Egger Im Gegensatz zu Danielewskis Text, hat mich dieser leider überhaupt nicht in den Bann ziehen können. Auch hier ist die Wortwahl sehr speziell, da sich der Autor auch Fantasiewörtern bedient. Es gibt Illustrationen, Gedichte und auch Beschreibungstexte, die anfangs noch wirklich interessant sind, zum Ende jedoch etwas "ermüdend" wirken. Zumindest war dies mein sehr persönliches Fazit des Buches. Man braucht dafür sicherlich etwas mehr Zeit, um sich vielleicht darauf einzulassen. Aber auch nach einer etwas längeren Pause, in der ich das Buch einfach habe ein wenig ruhen lassen, konnte ich mich danach nicht mehr dafür begeistern.
Ich verstehe durchaus die Intention dahinter, aber das Buch konnte einfach meine persönlichen Interessen und Vorlieben eines Textes nicht erfüllen. Ich bin mir aber sicher, dass sich Leser finden werden, die vielleicht genau das suchen, weil es etwas "Neues" ist, dem man sich Stück für Stück annähern muss.

Was hat euch durch den Juli gebracht? Waren es überwiegend Bücher, interessante Veranstaltungen oder einfach das (teilweise) gute Wetter, das zum Eis essen eingeladen hat?



Val di Non von Oswald Egger

August 05, 2017








(Original: "-"/ 2017) Suhrkamp Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: -, 208 Seiten, Leseprobe», gebunden mit zahlreichen Illustrationen von Oswald Egger★★ 2 Sterne
"Ist es möglich, einen Berg zu denken, zu dem das Tal fehlt? Wenn man sich Gott und die Welt vorstellen kann, kann man sich z. B. nicht Gott ohne die Welt vorstellen: Was einem vorschwebt, von A bis Z, erscheint oft realer als das, was vor Augen bloß irritiert.
Einmal waren Berge Berge, die Täler waren Täler. Nachdem es mehr Dinge zwischen Grund und Grat gibt, als wir träumen können, sind Berge weder Berge noch Abgründe Abgründe: Was einem blüht, mag zugleich auch blühendes Tal sein. In aller Stille rufen Laute einander auf und zu, kaum wahrnehmbar noch, tief von innen und unten. Nachtwach, in Sprache, schwellen die Intervalle an, stets fügt sich eine zweite Stimme zur ersten, dann noch eine, und dann noch und noch: wie ein Echo das Offene durch Wiederholung der Beschränkung auskostet, aber auf immer weniger Wirklichkeit trifft."


MEINE MEINUNG | FAZIT

Es gibt Bücher, die scheinen anfänglich recht interessant, weil sie das Genre sprengen und man nicht genau weiß, worauf man sich einlässt. Man entdeckt etwas Neues. Während des weiteren Verlaufs merkt man dann, ob diese Richtung etwas für einen ist oder eben nicht. Leider war die zweite Erkenntnis bei "Val di Non" und mir der Fall. Anfangs war ich noch neugierig auf die, von Egger selbst, gezeichneten Illustrationen, die dem Text eine sicherlich eigene Atmosphäre bieten.
Und auch der Text an sich kommt nicht gewöhnlich daher. In der oberen Hälfte findet man überwiegend eine "gedichtartige" Strophe, die den unteren Text einleitet. Die untere Hälfte ist eine fortlaufende Schilderung des Erblickten des Erzählers. Und das Erblickte wirkt zunehmend immer kurioser und für mich auch ehrlich gesagt immer anstrengender. Der Klappentext impliziert eine "Wanderung mit dem Erzähler" eben durch dieses Tal, das sich "Val di Non" nennt. Anfangs noch einigermaßen erträglich, wird es zunehmend einfach sehr verwirrend und leider etwas langweilig.
Es tauchen so unglaublich viele Wörter auf, die noch gar nicht bestehen, die nur der Empfindung des Autors entspringen, dass man eine Unlust verspürt, sich dem eigentlichen Kern der Aussage zu nähern. Ich ertappte mich immer öfter dabei, wie ich mir nur noch die Illustrationen und die Gedichte durchgelesen habe und die unteren Passagen überflogen oder teilweise sogar übersprungen habe.

"Drei:
ich, der
Hund, und
wir beide.
“ 
S.36

Ich würde nicht sagen, dass das Buch nicht durchaus seine Eigenheiten hat, die man an der ein oder anderen Stelle gerne erkunden würde, denn mich haben einige Sätze durchaus angesprochen. Das lag vor allem an der oftmals an banalen Feststellungen oder anders ausgelegten Ansichten, wie zum Beispiel im oberen "Gedicht" aufgezeigt. An solchen Stellen knüpfte ich gerne an und habe auch gerne etwas länger darüber nachgedacht, wie einfach, widersprüchlich, aber auch logisch die Ansichten des Erzählers sind.
Dennoch folgte auf diese Phase dann auch wieder die, die ich schon erwähnt hatte. Es wird anschließend wieder zu unübersichtlich. Man schnappt Formulierungen auf, an denen man sich entlang fädelt. Der Erzähler kommt an dieser oder jener Stelle vorbei und diese beschreibt er dann erneut, aber mit Begriffen, die dafür sorgen, dass man sich fragt, ob man das Wort einfach nicht kennt oder ob es überhaupt besteht. Gleichzeit hatten diese Wortbeschreibungen für mich alle etwas "Glitschiges" und wenig entspanntes. Sicherlich ist dies eine sehr subjektive Empfindung, aber durch diesen Spaziergang hatte ich mir eine gewisse "Ruhe" erhofft, im Gegenzug hat mich das Buch aber eher aufgewühlt, weil die Passagen, die diese teils undurchschaubaren Erläuterungen aufzeigen, zu lang waren und man sich nicht gerne auf den weiteren Verlauf konzentrieren wollte. Ich hatte einfach stets das Gefühl, dass ich nicht sanft von einer Stelle zur nächsten geführt werde, sondern gestresst versuche den ganzen Wortneufindungen zu entkommen.

"Manche Partien sind so massig, daß lediglich zwischen Randklüften in Ringen einheitliches oder doch kaum zerspaltenes Bossiergestein zertrümmert plitscht (knirscht nicht). Hager ziehen schmale Zementknautschzonen, die schieferig dürr bis knisterstückig zerfallene Schlacke sind und zum Teil Kiesnester enthalten, vor allem durch Torision." S.67


Ein ganz außergewöhnlicher "Spaziergang", der viel Aufmerksamkeit und Ausdauer erfordert. Durch die sehr eigene Interpretation des Aussehens vieler Pflanzen oder der Umgebung an sich und der damit zusammenhängenden Entstehung komplett neuer Wörter, wird das Lesen nach einer Zeit etwas anstrengend und langwierig. Die zahlreichen Illustrationen und die kleinen Gedichtsequenzen lockern das Ganze etwas auf und sorgen auch für den ein oder anderen, kleinen, zur Ruhe kommenden Moment, im Allgemeinen aber verlangt der Text vom Leser durchaus Konzentration und die Fähigkeit sich auf eine sehr lange Beschreibung eines Erkundungsgebiets einzulassen. Da das Buch sehr speziell ist, würde ich unbedingt empfehlen, sich die komplette Leseprobe anzusehen.
 


 Vielen dank an den Suhrkamp Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!




Der Buchblog-Award 2017

August 03, 2017






Gestern Nachmittag explodierte meine Twitter-Timeline ganz plötzlich mit Beiträgen zu einem #bubla17. Ganz unerwartet packte mich eine wunderbare Neugier und Aufregung, als ich sah, worum es sich bei diesem Hashtag überhaupt handelt. Denn mit #bubla wird der Buch-Blog-Award abgekürzt, welcher dieses Jahr in die erste Runde gehen wird.

Auf der offiziellen Seite www.buchblog-award.de erfährt man alle wichtigen Informationen zu diesem Award. Zusätzlich kann man sich natürlich auch über Twitter, durch den Hashtag #bubla17 oder auch den offiziellen Account des Buchblog-Award-Teams auf dem Laufenden halten.

Aber was ist der Buchblog-Award nun genau und wer kann wo teilnehmen? Der Buchblog-Award ist eine Auszeichnung, die den beliebtesten Blog beziehungsweise Blog-Account küren möchte. In der ersten Runde ab dem 01. August bis zum 30. August ist dies zunächst für alle interessant, die einen Buchblog führen, der aktuell ist und sich eben größtenteils mit der Literatur beschäftigt. Jedoch sind auch andere "Blog-Arten" herzlich willkommen. So heißt es: "Du bloggst, instagramst, vloggst oder podcastest leidenschaftlich über Bücher? Dann bewirb Dich jetzt für den Buchblog-Award 2017!" In diesem Zeitraum kann man sich selbst auf der offiziellen Seite bewerben und stößt damit auf die Longlist. Ab September wird die Longlist dann quasi in einer zweiten Runde für alle "freigegeben" und es darf abgestimmt werden. Sollte es soweit sein, werde ich euch hier sicherlich noch einmal informieren, wenn diese Phase startet.Wahrscheinlich ist es demnach auch irgendwie überflüssig zu erwähnen, dass ich mich dort bereits angemeldet habe.

Ich persönlich freue mich wahnsinnig darauf, die Longlist durchzustöbern, denn es gibt zwar reichlich Listen, die die meisten Buchblogs aufführen, aber den ein oder anderen Blog wird man dadurch sicherlich neu kennenlernen. Meine einzigen Bedenken finden sich lediglich in der "Sorge", dass das ganze unter den Buchbloggern etwas ausarten wird. Ich weiß, es ist nicht wirklich möglich, aber ich fände es wenigstens vernünftig, wenn es bei der Abstimmung nicht möglich wäre, für seinen eigenen Blog abzustimmen oder das System "auszutricksen".

Wie sieht es mit euch aus? Interessiert euch der Award als Blogger persönlich oder eher weniger? Werdet ihr teilnehmen? Und scheint den Nicht-Bloggern dieser Award überhaupt relevant?

Oft erblickte Ausgaben

Juli 28, 2017












Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man um eine ganz bestimmte Ausgabe eines Buches herumschleicht und nicht weiß, ob man sie kaufen soll? Das Gefühl, dass man sie eigentlich haben möchte, man ihr aber schon so oft über den Weg gelaufen ist, dass man beinahe denkt, man besitze die Ausgabe schon? Dass man sich vielleicht doch lieber eine "frischere" Ausgabe gönnen würde?

Ehrlich gesagt passiert mir dies öfter, neulich erst mit der Penguin Classics Ausgabe von F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby". Diese Reihe ist vielen sicherlich schon bekannt, denn sie beinhaltet nicht nur diesen Roman, sondern auch weitere, die aber ebenfalls in dieser wunderschönen Gestaltung erschienen sind. Als ich neulich gezwungenermaßen dazu verpflichtet war, meinen Bücherschrank komplett aus- und wieder einzuräumen (praktischerweise befindet sich mein Fernsehanschluss nämlich genau dahinter), blickte ich also über die "Klassikerabteilung" und war ganz erstaunt, dass sich "Der große Gatsby" nur als Taschenbuchausgabe in meiner Sammlung befindet. Eigentlich keine große Sache, man muss ja nicht alles in tausendfacher Ausführung besitzen, allerdings ist der Roman eines meiner liebsten Bücher. 
Da ich immer gerne etwas langfristig denke und mir schon ausmale, welche Bücher ich irgendwann einmal in meinem perfekten Bücherregal besitzen möchte, wenn ich mal mit achtzig davor sitze, wusste ich, dass ich gerne wenigstens eine schöne Ausgabe des Buches dort vorfinden wollen würde. 
Natürlich wird man mit sehr vielen Buchausgaben überflutet, wenn man nach dem Roman sucht. Dank meiner unendlich langen Merkliste wusste ich aber, dass sich dort "The Great Gatsby" befindet und zwar in genau dieser Ausgabe aus dem Penguin Verlag. Natürlich ist es ein Buchmagnet. Es glitzert schön, spiegelt den Art déco-Stil wunderbar wieder und ist einfach etwas fürs Auge und fürs Herz.

Da sich das Buch aber schon wirklich lange auf meiner Liste befand, war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich es in dieser Ausführung haben möchte. Jeder zweite, so scheint es zumindest manchmal, besitzt es und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es sich selbst schon in meinem Schrank befindet, weil ich es so oft gesehen habe (vielleicht auch daher die Verwunderung darüber, dass dies nicht der Fall war). Und was soll ich sagen, ich bin mehr als glücklich mit der Entscheidung, doch zu dieser Ausgabe gegriffen zu haben. Wenn das Herz einfach an etwas hängt, dann macht es keinen Sinn nach Alternativen zu suchen, nur weil sie vielleicht eine "Frische" einbringen würden. Und so habe ich nun wirklich eine zauberhafte Ausgabe des Klassikers in meinem Bücherregal, welche ich in den nächsten Tagen noch bestaunen und eventuell auch noch einmal lesen werde. Ganz schönes Extra an dem Buch ist, dass sich am Ende des Schutzumschlags noch ein abnehmbares Lesezeichen, ganz im Stil des gesamten Umschlags, befindet.

Gibt es bei euch Buchausgaben, die ihr schon lange bestaunt, ihr euch aber nicht sicher seid, ob ihr euch sie holen sollte oder lieber ein "neues" Buch?